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Ein Pferdekauf ist keine Kleinigkeit und will gut überlegt sein...!
Hier gibt es ein paar Informationen, die Euch bei einer Entscheidung weiterhelfen

Vor der Anschaffung eines eigenes Pferdes sollte man sich selber einige Fragen beantworten:

Bedenkt vor allem erst einmal: Wenn Ihr ein Pferd gekauft habt, gibt es kein zurück !!
Es ist etwas anderes, eine Sache zu kaufen oder ein Tier. Auch rechtlich.  Selbst wenn
man merkt, das der Kauf sich im Laufe der Zeit als unpassend herausstellt hat man
eine Verantwortung übernommen zu der man stehen muss.

Die aufgeworfenen Fragen sind nicht unabhängig voneinander beantwortbar. Die Unterbringung in einem ehemaligen Schafsstall mit niedriger Decke ohne Fenster mag zwar billig und damit finanziell tragbar zu sein, aber ist sie auch artgerecht? Wohl kaum. Die Unterbringung im 20 km entfernten Pferdegestüt, wo die Pferde tagsüber in einem Auslauf und nachts auf der Weide gehalten werden, ist bestimmt artgerechter, aber die Entfernung und die Unterbringung verlangen ihren Preis und zwar sowohl in zeitlicher als auch finanzieller Hinsicht. Die Boxenhaltung im 2 km entfernten Reitstall des örtlichen Reitvereins ist unter Entfernungsgesichtspunkten super, wohl aber was die Unterbringungskosten betrifft am teuersten und die artgerechte Haltung wird zum Prüfstein des eigenen persönlichen und zeitlichen Einsatzes.

Wegen dieses Zusammenhanges lautet die sich zu stellende Frage eigentlich:

 Was heißt überhaupt artgerechte Haltung? Wir wollen an dieser Stelle keine weitere von tausenden Grundsatzdiskussionen führen, sondern nur ein kurzes Statement abgeben, aus dem sich jeder seine eigenen Schlüsse ziehen kann

  1. Das Pferd ist von Natur aus ein Fluchttier. Das es sich unter dieser Voraussetzung überhaupt domästizieren ließ, ist erstaunlich. Damit bevorzugt es ganz klar die Weite und nicht die Enge. Und es benötigt ein bestimmtes Maß an Bewegungsmöglichkeit, um ein körperlichen Zustand aufrechtzuerhalten, der ihm das subjektive Gefühl eines möglichen Fluchtpotential sicherstellt.

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  3. Daraus resultiert der bevorzugte Aufenthalt im Freien im Sinne einer weit zu überblickenden und Freiraum zum Flüchten gewährenden Landschaft.  - nicht umsonst ist das Pferd eigentlich ein Steppenbewohner
                                                                                                                                                                                    
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  5. Wind und Wetter sind damit Teil seiner Lebenswelt. Der Wind ermöglicht die frühzeitige Witterung, trocknet das nasse Fell, kühlt das erhitzte Pferd. Die Sonne wärmt und der Regen reinigt das Fell. Nicht weil das Fell naß wird - das wird nämlich nur ganz oberflächlich naß - , sondern weil der Regen Schlammpfützen erzeugt, in denen man sich so schön drin werkeln kann, um dann später alle losen Haare und Hautschuppen wegschütteln zu können, wenn die Schlammpackung getrocknet ist. Tagelang andauernder Wind und Regen bzw. runterbrennende Sonne sind hingegen dann doch des Guten zu viel und das Pferd möchte nun trotz Fluchttierverhalten einen Schutz in Form einer Höhle, eines Waldsaumes, einer Felswand und ähnlichem aufsuchen.

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  7. Das Pferd ist Vegetarier. Es bevorzugt, gemütlich den abwechslungsreich gedeckten Tisch abzurupfen. Morgens und abends, zu Beginn und Ende einer Mahl bevorzugt es andere Gräser. Der Kopf hängt dabei notgedrungen über dem Boden. Dieser Zustand ist vom Pferd ohne Muskelanspannung realisierbar. Futter aus einer hohen Raufe/Schüssel zu holen, ist hingegen harte Muskelarbeit. Schnell zu fressen ist dem Pferd zuwider. Warum auch? Hat der Tag doch 24 Stunden und ist das Angebot so groß, daß man nicht aus Futterneid wegen den Kollegen links und rechts das Futter runterschlingen muß. Man ißt, wenn man Lust hat, ein Bißchen, dann döst man wieder, spielt und dann frißt man wieder ein Bißchen usw.. Ein Bißchen auch schon deshalb allein, weil das Pferd nur einen relativ kleinen Magen hat, den man auch leicht überfüllen kann. Das heißt umgekehrt: Eine vom Menschen pro Tag angebotene große Mahlzeit - sei es vier Stunden Kleeweide oder Kraftfutter/Heu in der Raufe -, die es sogar noch mit Kollegen zu teilen gilt, entspricht weder dem Naturell noch der Biologie.
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  9. Pferde verfügen über ein sogenanntes Raum-Zeit-Tätigkeitsgefüge, d.h. sie haben einen genauen Fahrplan, was sie wann wo machen: Fressen, trinken, dösen, spielen, Fellpflege usw.. Daraus folgt, daß der Pferdehalter sich auch ein zumindest Zeit-Tätigkeits-Gefüge zulegen sollte: Feste Futterzeiten, feste Reitzeiten, etc. Pferde haben ein sehr genaues Gespür für die Uhrzeit.
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  11. Pferde verfügen in der Natur über das, was ich beim Menschen im vorausgegangenen Punkt weggelassen habe: nämlich über Raum. Ein Pferd zog bei der Futtersuche ständig weiter und kam selten an denselben Platz wieder zurück. Konsequenz: Man ließ die Hinterlassenschaften einfach an Ort und Stelle fallen. Man wollte ja an dieser Stelle nicht wieder fressen, so daß man sich weder den Geschmack verderben konnte, nocht eine Verwurmungsgefahr bestand. Egal wie groß unsere Koppel ist, sie ist begrenzt und das Pferd muß wieder zurück an den alten Ort. Konsequenz: Pferdeäpfel einsammeln und entwurmen.
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  13. Pferde sind keine Einzelgänger. Sie leben in Herdenverbänden mit festgelegter und doch sich im Laufe der Zeit verändernden Hackordnung und mit Rechten und Pflichten. Da gibt es Freundschaften und Feindschaften. Man verständigt sich per Körperhaltung, Blick oder Wiehern. Bei Gefahr rückt man zusammen, ansonsten gerät man auch schon mal außer Sichtweite. Da gibt es den Hengst, die Leitstute oder den Wächter. Deutlich ist zu beobachten, daß sich in jeder Altersklasse befreundete Paare bilden - in menschlich betreuten Herden von Stuten und Wallachen meist gleichgeschlechtliche - die miteinander fressen, dösen und ganz wichtig Hautkontakt pflegen. Die gegenseitige Fellpflege ist ein wesentliches Element des sozialen Kontaktes. Konsequenz: Pferde nie allein halten, Pferde nie den sozialen Kontakt verbauen. Wenn schon Box, dann mit Blick auf andere Pferde oder gar mit oben offener Box zu den Nachbarn und mit Auslaufmöglichkeit, aber nicht jedes Pferd einzeln zu einer anderen Uhrzeit oder auf seinem eigenen Ministück. Weiter: Pferde sind möglichst in gerader Anzahl zu halten. Dabei sollte auf die Alterstruktur geachtet werden. Ein Jährling und ein Methusalem sind zwar auch ein Paar - in der Not frißt der Teufel bekanntlich Fliegen -, aber kein ideales. Zwei Pferde allein bei nur einem Reiter, sind eventuell auch ein Problem, wenn man das zweite Pferd nicht beim Ausreiten als Handpferd mitnehmen will oder kann.
     
Es stellt sich nun  natürlich die Frage, was das alles kostet.
 
Trennen muß man die einmaligen Kosten der Anschaffung und die laufenden Kosten. Zu den Anschaffungkosten gehört natürlich der Kaufpreis für das Pferd. Darüberhinaus können Kosten für eine Ankaufsuntersuchung, Kosten für den Transport des Pferdes vom Ort des Käufers zum neuen Bestimmungsort und Kosten für Umschreibungen von Papieren und Eintragungen in Zuchtbüchern anfallen. Ist keine verläßliche Information über den Impfschutz erhältlich, empfiehlt es sich, denselben zum Teil über eine erneute Grundimmunisierung sicherzustellen. Auch eine Entwurmung außer der Reihe, falls man schon Pferde hält, ist angesagt. Falls es überhaupt das erste eigene Pferd ist, kommen dann wohl noch die Kosten für Sattelzeug (Sattel, Steigbügelriemen, Steigbügel, evtl. Schweifhalter bei Pferden mit geringem Widerrist wie z.B. uns Isis, Sattelunterlage ), Zaumzeug (Reithalfter mit Gebiß und Zügel, Stallhalfter mit Anbindestrick), Gerte, Putzzeug (Striegel, Bürste, Hufauskratzer, Kartäsche, Mähnenkamm und ähnliches) samt Putzkasten und eventuell weiteres Zubehör wie Longe, Ausbinder, Longierpeitsche und ähnliches hinzu. Vielleicht wird auch noch zum Aufbewahren des Ganzen ein Sattelschrank benötigt. Reitkleidung (insb. Reitstiefel, Reithose und Reitkappe) wird wohl beim Kauf eines ersten Pferdes auf Seiten des Käufers vorhanden sein. Es soll aber auch Fälle gegeben haben, wo der erste Kontakt mit dem unbekannten Wesen Pferd der Kauf gewesen sein soll. Solltet ihr auf die Idee kommen, euere Neuerwerbung in Eigenregie zu halten, kommen natürlich noch eine ganze Reihe weiterer einmaliger Kosten auf euch zu: Erwerb von Wiesen, Kauf oder (Um-)Bau von Stall und Scheune, Befestigung/Drainage des Auslaufes, Kosten fürs Einkoppeln, Kosten für Wasserfaß, Schubkarren, Schaufel, Besen, Rechen und einiges mehr. Je nach Jahreszeit müßt ihr auch noch gleich den Heuvorrat für den Winter ordern.

Die Frage, was da in Summe an einmaligen direkten Anschaffungskosten (=Kaufpreis) auf einem zukommt, ähnelt der, was ein Auto kostet. Da gibt es Neuwagen und Gebrauchte, alte und junge, gepflegte und weniger gepflegte, Nobelkarossen, Sportwagen und Gebrauchsfahrzeuge, Autos mit Standardausrüstung und Sonderzubehör  - und des weiteren mehr. Es ist deshalb ziemlich witzlos, euch einen Richt- oder Durchschnittskaufpreis für ein Pferd nennen zu wollen. Ich mach's auch gar nicht. Denkt aber immer beim Kauf daran, daß wieder analog zum Auto Gekauft wie Besehen und Probegefahren gilt Gekauft wie Besehen und Geritten. Rückgabe und Umtausch sind i.d.R. abgesehen vom Vorliegen grober Mängel nicht möglich. Beim etwas billigeren Kauf von Privat geht da fast garnichts, beim Pferdegestüt oder Pferdehändler ist Umtausch gegen ein teueres Pferd schon eher möglich.

Für die Anschaffungsnebenkosten wie Ankaufsuntersuchung müßt ihr je nach Umfang (mit oder ohne Lungenspritze, Röntgen oder Wiederholungsuntersuchung erforderlich) mit 100 - 200 Euro, für den Transport mindestens mit  0.50 je km (hängt wieder davon ab, ob Einzel- oder Sammeltransport), für Sicherstellung des Impfschutzes mit rund 100 Euro

Auch bei der Ausrüstung gibt es dicke Unterschiede. Wie soll ich ein Ledersattel mit traditionellem Sattelbaum mit einem Kunststoffsattel vergleichen?!? Rechnet für einen guten Sattel und Zaumzeug schon mal mit 1000 Euro. Einen maßgeschneiderten Westernsattel bekommt ihr dafür aber nicht. Warnung: Am Sattel gespart, ist an der falschen Ecke gespart. Der Preis allein macht's natürlich nicht, aber das Ding muß passen. Und die Computermessungen in der neuesten Zeit haben gezeigt, daß sie es oft nicht tun. Und wer läuft schon gern mit einem harten, drückenden Brett im Kreuz zwanzig Jahre durchs Leben! Das tut weder Pferd noch Reiter gut.

Ich will mich auch gar nicht so lange mit den einmaligen Kosten aufhalten. Sie sind zwar absolut gesehen höher als die laufenden Kosten pro Monat oder gar Jahr, aber die zahlt ihr wie der Namen schon sagt eben nur einmal, während ihr die laufenden Kosten jeden Monat aufbringen müßt und das für Jahrezehnte hinaus, wenn ihr keine Trennung von vorn herein einkalkulieren wollt. Da kommt im Laufe der Zeit ein Vielfaches der einmaligen Anschaffungskosten zusammen und oft auch Ausgaben für Dinge, an die man bei der Anschaffung eines Pferdes vielleicht gar nicht denkt oder die man nach dem Motto, der Wunsch ist der Vater des Gedankens, nicht so richtig zusammenaddiert. Um euch hier eine Orientierung zu bieten, möchte ich mich jetzt lieber auf die laufenden Kosten stürzen.

Laufende Kosten fallen an für:

Die Kosten der Unterbringung bestehen bei Einstellung des Pferdes in einem Gestüt, Reitstall, Pferdehof, bei einem Bauern oder in einer privaten Haltergemeinschaft aus der monatlichen Einstellgebühr, deren Höhe vom Einsteller (Gestüt, Reitstall, Pferdehof, Bauernhof u. ä.), der geographischen Lage (Ballungsgebiet oder Einöde), von der Art der Unterbringung (z.B. Auslauf- oder Boxenhaltung) und den beinhalteten Leistungen (Vollversorgung oder Eigenleistungen erforderlich, mit oder ohne Kraftfutter, mit oder ohne Reithallenbenutzung u. ä.) abhängt, oder den monatlichen Pacht- und Futterkosten, wenn ihr das Pferd in Eigenregie halten wollt - aber dann bitte mehr als eins (siehe oben).

Grundsätzlich sind Reitställe und Gestüte teuerer als Pferdehöfe, Bauern oder Haltergemeinschaften. Reitställe sind oft auch von Reitvereinen betrieben und die Einstellung ist i.d.R. auch mit der Vereinszugehörigkeit gekoppelt. Dann wird die Rechung schwierig, wenn im Vereinsbeitrag ein Vorzugspreis für die Box und eine Vereinsreitstunde pro Woche inbegriffen sind. In der Einstellgebühr von Reitställen und Gestüten ist normallerweise alles inbegriffen, Eigenleistungen für die Unterbringung und Versorgung des Pferdes werden nicht erwartet. Bei Vereinsreitställen kann aber tätige Mitarbeit über die Vereinszugehörigkeit erwartet werden: Hilfe bei der Anlage des neuen Reitplatzes, neuer Anstrich der Reithalle durch die Vereinsmitglieder usw.). Eventuell ist es erforderlich, daß ihr euer Pferd selber in einen Auslauf bringt und wieder zurückholt. Klar ist: je größer das Gestüt oder der Reitstall ist, umso eher geht alles nach Schema F.

 Da kann auch schon mal die Verabreichung von Arzneimitteln für ein erkranktes Pferd dreimal am Tag zum Problem werden oder auch eine Verletzung einmal zwei Tage nicht erkannt werden. Insbesondere kleinere Pferdehöfe oder Bauernhöfe, die nebenbei einige Pferde unterstellen, sind da etwas billiger, erwarten eher mal tätige Mithilfe im Stall und bei der Heuernte und sind insb. natürlich die Bauernhöfe nicht mit Reitplatz und Reithalle ausgestattet. Aber vieles läßt sich individueller regeln. Private Haltergemeinschaften existieren in dem Sinne, daß eine Privatperson, die mehrere Pferde zum Eigenbedarf hält, weitere fremde Pferde aufnimmt, um einerseits über eine Fixkostendegression die eigenen Kosten zu senken und um andererseits eine tätige Mithilfe von weiteren Personen in der Pferdehaltung zu erhalten, oder in der Form, daß sich von vornherein Pferdehalter zusammengeschlossen haben, um gemeinsam die Kosten und die Arbeit zu teilen, um auf diese Weise die Pferdehaltung kostenmäßig und zeitlich möglich zu machen. Im ersten Fall dominiert die ursprünglich vorhandene Privatperson, macht auch den größeren Teil der Arbeit, erwartet aber Mithilfe beim Misten, Füttern oder Zäune ziehen aber auch mal eine volle Urlaubsvertretung. Im zweiten Falle wird die Arbeit von vorn herein aufgeteilt: Montag hat A Stalldienst, Dienstags ist B dran, Mittwochs muß C in die Hände spucken usw. Das kann ganz formal geregelt sein oder geschieht bei gut funktionierenden Haltergemeinschaften wie von selbst.

Was kostet nun das Ganze? Eine große Box für ein Großpferd im Gestüt oder Reitstall liegt schon im Bereich von Euro 250 - 400  pro Monat. Der Pferdehof liegt bei Euro 200 - 350 und der Bauer, der nebenbei einige Pferde einstellt, begnügt sich schon mal mit  Euro 150 . Kleinere Boxen für Kleinpferde und Ponys liegen im Schnitt Ruro 50 billiger. Große Pferdeboxen für Großpferde werden auch als Doppelboxen für zwei Kleinpferde angeboten, liegen dann aber wegen dem Futterverbrauch für zwei teuerer als eine Einzelbox für Große, aber sind immer billiger als zwei einzelne Kleinpferdeboxen. Außerdem haben die zwei Kollegen dann wenigstens direkten Kontakt miteinander. Andererseits kann es bei sehr ranggleichen (es fliegen die Fetzen beim Füttern) oder sehr rangunterschiedlichen (einer wird immer dicker, der andere immer dünner) Pferden dabei zu Problemen kommen. Boxenhaltung sollte man nur dann in Betracht ziehen, wenn genügend Bewegung und Kontakt zu anderen Pferden sichergestellt sind. Reitställe sind mit Auslaufhaltungen weniger gesegnet, da solltet ihr schon nach Gestüten, Pferde- oder Bauernhöfen suchen. Wichtig: Schaut euch die Auslaufhaltung an und zwar nicht Sonntags, weil ihr da frei habt, sondern unter der Woche. Denn Sonntags erwartet man die Besucher und Spaziergänger und da wird Samstags noch einmal Großputz gemacht. Auslaufhaltung heißt natürlich, daß ihr nach dem Regen ein naßes oder gar schlammiges Pferd vorfindet, daß ihr am Wintermorgen ein Pferd mit Eiszapfen vorfindet und, und, und ...

Euer Pferd sollte unbedingt haftpflichversichert sein. Als Tierhalter unterliegt ihr einer sogenannten Gefährdungshaftung, d.h. ihr haftet schlechthin für alle Gefahren, die von dem Tier ausgehen , sei's im Stall, der Weide oder beim Reiten gegenüber Mensch, Tier und anderen Sachen. Und nicht immer geht das dann verständlich nach einem Art Verursachungsprinzip. Wird z.B. die Koppel unbefugt geöffnet, so daß Pferde entweichen können, so haften die Halter für alle Schäden, es sei denn der Übeltäter wird gefaßt. Bricht ein Teil der Pferde ohne Eingriff eines Dritten aus der Koppel aus, so haften auch die in der Koppel verblieben Pferde - genauer ihre Halter - für die entstandenen Schäden. Es ist also überhaupt keine gute Idee, nur einen Teil seiner Pferde zu versichern, nur um die Versicherungsbeiträge niedrig zu halten. Jedes Pferd ist zu versichern. Dabei ist exakt zu prüfen, welche Risiken mit eingeschlossen sind (z.B. auch Gastreiterrisiko, Flurschäden, Teilnahme an Veranstaltungen etc.). Zu unterscheiden ist auch die private Versicherung und die Betriebshaftpflichtversicherung, wenn man mit seinen Pferden einen Betrieb hat. Dabei genügt schon die Entgegennahme von Futter oder die tätige Mithilfe von Gastreitern, um aus der privaten Reiterei versicherungstechnisch ein Reitbetrieb zu machen. Es empfiehlt sich nicht, die Tierhalterhaftpflicht als Zusatzwagnis zu der Privathaftpflicht abzuschließen. Die Standardversicherungen lassen sich das sehr teuer bezahlen. Die auf Tierversicherungen spezialisierte Versicherungen sind da meistens günstiger. Prüfen sollte man auch, ob es nicht eine vergünstigte Versicherung infolge der Zugehörigkeit zu einem Verein etc. gibt. Bei einigen Versicherungen zählt jedes Pferd gleich, egal wie groß, egal, ob Fohlen, Zuchtpferd, Reitpferd oder nicht gerittener Oldie, andere Versicherungen unterscheiden da ihre Prämien. Auch die gewünschte Deckungssumme spielt bei der Prämienberechnung eine Rolle. Und bei manchen Versicherungen gibt es Mengenrabatt, wenn ihr mehrere Pferde versichert. Rechnet mit 70 Euro pro Pferd. Unter www.pferdeversicherung.de findet ihr einen Tarifrechner eines Versicherungsmaklers, mit dessen Hilfe ihr ein wenig auschecken könnt, wie sich unterschiedliche Gegebenheiten auf die Prämienhöhe auswirken.

Neben der quasi obligatorischen Haftpflichversicherung besteht ferner noch die fakulative Möglichkeit, eine Kranken- und/ oder Lebensversicherung abzuschließen, oder im Bedarfsfalle, noch eine Transportversicherung. Lebens- und Transportversicherung sind wohl mehr für das wertvolle Sport- und Zuchtpferd interessant. Krankenversicherungen haben die Eigenschaft, daß mit zunehmender Inanspruchnahme die Prämien gewaltig in die Höhe schießen oder die Versicherung vom Versicherungsgeber gekündigt wird.

Andererseits machen die Tierarztkosten einen nicht gerade unerheblichen Teil des Kostenbudgets aus. Da sind einmal die laufenden Prophylaxemaßnahmen wie Impfungen gegen mindestens Tetanus und Tollwut, ferner gegen Influenza und Herpes insbesondere bei Teilnahme an Veranstaltungen und bei Pferdebeständen mit stark wechselnder Zusammensetzung, und die Wurmkuren sowie für geforderte Untersuchungen bei Zuchtstuten oder Gesundheitsnachweise bei Teilnahme an Ausstellungen und Veranstaltungen. Für den minimalen Impfschutz Tetanus/Tollwut müßt ihr mit ca.60,--  jährlich pro Pferd rechnen, für die Wurmkuren pro Pferd mit 15,-- je Kur und das 3-6 mal pro Jahr in Abhängigkeit der sonstigen Hygeniemaßnahmen, die ihr gegen das Verwurmungsproblem ergreift. Wesentlich höher zu Buche schlagen die kleinen und großen Überraschungen in Form von Koliken, Verletzungen, Lahmheiten und leichten bis schweren Krankheiten, die komischerweise meist am Ostersonntag oder am zweiten Weihnachtstag auftreten, so daß der Tierarzt besonders kräftig zulangen darf. Koliken scheinen unvermeidbar, früher oder später tritt eine auf, manchmal nur eine leichte Verdauungsstörung, die fast unbehandelt überstanden wird, manchmal aber auch sehr schwere Krampfkolik, wo das Pferd ohne Behandlung nur eine geringe Überlebenschance hätte. Kommt es zum Darmverschluß, ist eine Operation unabdingbar und dann sind wir mit dem Klinikaufenthalt schon schnell zwischen 2000 -3000 Euro  angelangt, kommen Komplikationen dazu, sind es auch mal schnell mehr. Auch erwischt einem irgendwann mal eine Hustenepedemie, verstopfte Tränen-Nasen-Kanäle, ein am Zaun aufgerissenes Bein, eine dicke Prellung, ein Ödem, eine Phlegmone, ein Einschuß, ein Pilz, irgendwelche Ektoparasiten, ein entzündetes oder gar verletztes Auge, eine Hufrehe, eine Hufrollenentzündung, Spat, Talgdrüsenverstopfungen, Geschwüre jeglicher Art, Druse, Schale, Knochenaufreibungen, dicke Sehnen, eine Schlundverstopfung - ich hör lieber auf. Kalkulierbar ist das alles nicht. Da gibt es Jahre, da passiert überhaupt nichts, und dann gibt es Monate, da wird alles auf einen Schlag nachgeholt. Rechnet mindestens mit 500,-- Tierarzt im Jahr und haltet Reserven, denn es können auch nur mal 200 Euro im Jahr sein, aber im nächsten auch mal 1500 Euro aufwärts. Ich will ja damit niemand schocken, aber die Verantwortung, die ihr mit dem Erwerb eines Pferdes übernimmt, gebietet so betucht zu sein, daß ihr auch in schlechten Zeiten euer Pferd so versorgen könnt, wie es ihm gebührt und worauf es auch ein Recht hat. Es ist verantwortungslos und falsch verstandene Pferdeliebe, am Tag x dazustehen, Tränen zu vergiessen, weil das Pferde behandelt gehört, aber das nötige Kleingeld fehlt, wie wir das auch schon erlebt haben. Es ist auch verantwortungslos von Eltern, wenn sie auf der Basis "Wenn Du allein für das Pferd aufkommen kannst" ihren Kindern den Kauf auf zu schmaler finanzieller Basis erlauben und dann meinen, aus erzeihungstaktischen Gründen ihre ursprüngliche Aussage durchhalten zu müssen.

Einen nicht gerade unerklecklichen Teil der laufenden Kosten macht auch der Hufschmied aus. Kann und soll das Pferd barfuß laufen, fällt für das Ausschneiden der Hufe etwa 15 - 25,-- pro Pferd an und das in Abhängigkeit vom Hufwachstum circa 4-6 Mal im Jahr. Wird das Pferd mit Eisen beschlagen, so kostet ein Umlegen der alten Eisen ca. 60,-- , das Aufnageln neuer Eisen etwa 80,--. Dabei sind Extras wie Stollen oder Hufgripeinlagen noch nicht inbegriffen. Spezialeisen und/oder orthopädische Beschläge für Pferde mit Stellungsfehlern, Spatpferde oder Huferehepferde liegen preislich natürlich auch über den genannten Anhaltpunkten. Manchmal braucht man den Schmied auch zusätzlich, um bei bestimmten Krankheiten die Eisen abzunehmen, oder um bestimmte Hufkrankheiten zu behandeln: Hufgeschwür, Nageltritt, Spalt in der Hufwand. Davon mal abgesehen, solltet ihr von einem Umlegen der Eisen so alle sechs bis acht Wochen ausgehen, zumindest in der Hauptwachstumszeit des Hufes im Sommer. Und je nachdem wieviel ihr reitet bzw. wie ungleichmäßig euer Pferd die Eisen abnützt, braucht ihr dabei jedes zweite Mal neue Eisen.

Was ihr für Futtermittel braucht, hängt einmal davon ab, was an Futter im Einstellpreis inbegriffen ist, mindestens Heu/Gras und Wasser. Vielleicht auch noch eine Standardmenge Kraftfutter (Hafer/Pellets). Andererseits auch davon, was euer Pferd braucht in Abhängigkeit von den Leistungsanforderungen - was wiederum rasseabhängig sein kann -, die ihr an es stellt, und wie gut es das angebotene Futter verwertet. Und wie gut es an das Futter gelangt bei einer Auslaufhaltung. Wird Futter nämlich auf zu engem Raum angeboten, sehen rangniedrigere Pferde meist alt aus. Auch nach Krankheiten kann ein Aufpäppeln erforderlich sein. Mit einem gewissen Quantum an Futtermitteln müßt ihr also auf jeden Fall rechnen: Kraftfutter, Mineralfutter, Vitamine etc. Ein paar Leckerlis, an denen weder eure Augen noch unsere Augen vorbeikommen. Denkbar sind auch gesundheitsbedingt Spezialfutter, z.B. eiweißarme Futtermittel bei Hufrehepferden oder Ekzemern, oder Heucobs bei Stauballergien. Auch können Ergänzungsfuttermittel erforderlich werden, um bestimmte Defizite oder Schieflagen bestimmter Substanzen im Körper auszugleichen (aber bitte erst nach tierärztlicher Blutuntersuchung und nicht nach Vermutung, man kann der Körperhaushalt auch endgültig zum Zusammenbruch bringen). Wer sein Pferd selber hält, trägt natürlich die gesamten Futterkosten einschließlich Heu und Wasser. Als Anhaltspunkt für mögliche Futterkosten: 40 kg Hafer kosten je nach Jahreszeit ca. 20,--,
 25 kg Pellets/Müsli je nach Sorte so um die 20,--  aufwärts. Ergänzungsfuttermittel sind als idealle Spielbälle einer Pferdeindustrie für "tierliebe" Pferdehalter, die grundsätzlich als dem wohlhabenderen Teil der Gesellschaft zugerechnet werden, nicht gerade billig. Da halten wir es doch mit dem Motto: So wenig wie möglich, so viel als nötig.

Ziemlich ähnlich sieht das bei den Pflegemitteln aus. Klar, ab und zu braucht ihr eine neue Bürste, Striegel, Hufauskratzer etc. Aber dann gibt es da noch das Angebot von tausenden von Fliegen-, Wund- und Hufsprays, Salben für dies und gegen das, ein Mittelchen für zu feuchte Hufe, ein Töpfchen für zu trockene, spröde Hufe, Haarshampo, das nach x und ein anderes, das nach y duftet, irgendwas, das das Fell glänzend machen soll. Laßt da bitte nicht euere Begeisterung größer als unseren Bedarf werden. Checkt die Notwendigkeit und die Wirksamkeit. Um manche Dinge kommt ihr natürlich nicht herum: Den Kopf wollen wir schon abundzu gewaschen bekommen, mit Shampoo natürlich, die Hufe sollen auch gepflegt aber bitte nicht totgeölt werden, die Verletzung solltet ihr auch desinfinzieren und vieles andere - aber alles mit Überlegung. Dabei kommt dann doch übers Jahr gesehen schnell 50,-- pro Monat im Schnitt zusammen.

Was braucht ihr denn sonstiges noch? Ein neues Halfter, eine neue Satteldecke, ein Aufpolstern des Sattels, ein neues Gebiß, neue Reitkleidung z.B.. Einen Lehrgang für euch und euer Pferd, Tierseuchenkasse, Startgebühren fürs Haus- und Vereinsturnier, Fahrtkosten zur Hengstschau, zum Turnier x, Beiträge zum Reitverein, eine Pferdezeitschrift, ein paar Pferdesachbücher und bestimmt noch einiges mehr, nicht zu vergessen, die Fahrtkosten zu euerem Pferd.

Ihr seht, da kommt einiges an laufenden Kosten zusammen,
wenn wir mal alles auf der Basis der mittleren Werte addieren:
 

Unterbringung in Pensionsstall: 300 Euro
Haftpflichtversicherung:6 Euro
Wurmkuren/Minimalimpfungen:10 Euro
Tierarzt Krankheiten:50 Euro
Hufschmied (Standardbeschlag):80 Euro
Futtermittel (nur Zusatz):30 Euro
Pflegemittel:30 Euro
sonstiges:40 Euro
 
Ergibt monatlich546 Euro

Kaum zu glauben, aber wahr. Ihr habt ein teueres Hobby, aber auch ein wunderschönes. Natürlich können wir uns jetzt um jede Einzelposition streiten, die eine rauf, die andere runter. Die Tierarztkosten müßt ihr auch unbedingt als Durchschnitt über die Jahre sehen. Mir kommt es auch gar nicht so auf den absolut richtigen Betrag an, als vielmehr darauf, euer Bewußtsein zu schärfen für die Verantwortung, die ihr mit dem Erwerb eines Pferdes übernehmt in finanzieller und zeitlicher Sicht. Unser Wohlbefinden, ja unser Leben liegt ab diesem Moment in euerer Hand - und euer Glück auf unserem Rücken, aber es hat seinen Preis, und das ist auch gut so, denn gegenüber geschenkten Sachen verliert man allzuleicht seinen Respekt.

Und kalkuliert bei allem auch damit ein, daß euer Pferd mal für eine längere Zeit oder gar für den Rest seines Lebens gesundheitliche Probleme haben kann, denen nur mit erhöhtem finanziellen und zeitlichen Aufwand begegnet werden kann. Einsteller sind da nicht sehr in der Lage, auf solche Situationen zu reagieren. Nur wenige werden z.B. bereit sein, das Heu zu wässern, wenn das Pferd zum Heuallergiger geworden ist. Hier wird der Halter gefordert. Und wie ist es dann mit Urlaub oder wenn man selber krank ist? Vielleicht ist das Pferd dann auch nicht mehr voll belastbar oder überhaupt nicht mehr reitbar, ohne daß er selber derart leidet, so daß die Antwort klar wäre. Wie geht ihr dann mit dieser Situation um? Ihr seht, es sind einige Fragen zu beantworten, bevor der Wunsch nach einem eigenen Pferd Realität werden sollte, im Interesse des Pferdes und des Halters,

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